Prof. Diplom-Sozialwirtin Kaba-Schönstein

Lotte Kaba-Schönstein widmet ihre Arbeit als ein „Face of Health Promotion“ vor allem der gesundheitlichen Chancengleichheit und verfolgt dabei das Anliegen einer interprofessionellen und internationalen Zusammenarbeit und Vernetzung. 

Die berufliche Laufbahn von Frau Kaba-Schönstein begann 1968 mit einer Ausbildung zur Krankenpflegerin. Bei ihrer anschließenden Tätigkeit als Krankenschwester bemerkte sie erstmals Defizite in der Gesundheitsversorgung hinsichtlich frühzeitiger Präventionsansätze. Sie absolvierte ein Studium der Sozialen Arbeit in Berlin und war in Kassel in der Gesundheits- und Familienfürsorge tätig. Dort erkannte sie ihr besonderes berufliches Interesse an dem Themenschwerpunkt gesundheitliche Chancen(un)gleichheit. Es folgte ein Studium und Abschluss in Sozialwissenschaften in Göttingen. Im Anschluss daran arbeitete sie als Lehrgangsleitung internationaler Fortbildungslehrgänge für Gesundheitsförderung und als Projektleitung am Zentrum für angewandte Gesundheitswissenschaften an der Universität Lüneburg. 1997 wurde sie  als Professorin im Bereich Soziale Arbeit und Gesundheitsförderung an die Hochschule Esslingen berufen. Neben ihren Tätigkeiten in Lehre, Forschung und Entwicklung ist sie seit  den 1990er Jahren in vielen Bereichen der Gesundheitsförderung engagiert, u. a. in der Redaktionsgruppe der Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention (BZgA) und im Arbeitskreis gesundheitliche Chancengleichheit des Kooperationsverbundes gesundheitliche Chancengleichheit sowie dessen Arbeitskreis Qualitätsentwicklung/Good Practice und Arbeitskreis „Gesundheitsförderung mit Geflüchteten“. 

Blitzfragerunde

Kaffee oder Tee?
„Tee und Kaffee“
Stadt oder Land?
„Stadt und Land“
Chaos oder Ordnung?
„Chaos und Ordnung“
Meer oder Berge?
``Meer und Berge``
Geschwister oder Einzelkind?
„Einzelkind, aber in Großfamilie aufgewachsen“
Wissen oder Reichtum?
``Wissen ist Reichtum``

Interview

Lebenslauf und Motivation

Wie begründet sich die Motivation und das Interesse an Ihren Themenschwerpunkten? 

 

“Meine Motivation für Gesundheit und Gesundheitsförderung allgemein begründet sich darin, vermeidbares Leid und Krankheit zu verhüten und dabei an den Wurzeln anzusetzen. Gesundheit und die sozialen Bedingungen sollten von Beginn an gefördert werden. 
Die theoretisch erfassten und praktisch erlebten Ungleichheiten ließen meine Motivation im Bereich gesundheitliche Chancengleichheit wachsen, erzeugten Unzufriedenheit in mir und ich empfand sie als unvereinbar mit meinen Vorstellungen von gesellschaftlicher Solidarität und fairen Chancen für alle. 

Das Interesse für Krankheitsverhütung und Gesundheitsförderung nahm während meiner Ausbildung in der Pflege zu. Insbesondere bei der Arbeit mit krebserkrankten Menschen hatte ich das Gefühl, immer zu spät- also nur sekundär- und tertiärpräventiv zu handeln und erst ganz am Ende der Kette von Krankheitsverursachung und gesundheitlicher Versorgung Einfluss zu nehmen.  Das störte und beschäftigte mich sehr und führte dazu, dass ich durch einige Lektüren feststellte, dass es in anderen Ländern bereits „Patient education“ und „Public Health Nursing“ als Tätigkeiten für Pflegende gab, während in Deutschland die sogenannte „Gesundheitserziehung“ nur ganz vereinzelt praktiziert wurde. 

Daraufhin habe ich einen Artikel in der Zeitschrift des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) geschrieben, in dem ich eine Stärkung der Gesundheitserziehung allgemein, aber auch in der Pflege angeregt habe. Mein Interesse an den Zusammenhängen von Gesundheit, Krankheit und sozialer Lage wurde durch mein Studium der Sozialen Arbeit – insbesondere durch die Lehrinhalte Soziale Lage und Gesundheit/Sozialmedizin und mein Vertiefungsgebiet Säuglings- und Kleinkinderfürsorge – vertieft.”

 

 

Wann und wodurch haben Sie die Verbindung der Themen entdeckt oder diese Verbindung näher fokussiert? 

 

“Insbesondere durch die studienbegleitenden Praktika in der Säuglings- und Kleinkinderfürsorge und der Tbc-Fürsorge (Tuberkulose-Fürsorge) in Berlin habe ich die zum Teil sehr schwierigen Lebens- und Wohnbedingungen kennengelernt. Aber auch durch eine Exkursion in die Niederlande wurde deutlich, dass es Sozial- und Gesundheitssysteme gibt, in denen es selbstverständlich ist, dass fast alle Schwangeren und Eltern von Public Health Pflegenden zu Hause besucht werden und sich beraten lassen. 

In Deutschland waren diese präventiven Hausbesuche von Sozialarbeiter*innen – mit Ausnahme von West-Berlin – damals schwer vorstellbar, da der nationalsozialistische Missbrauch der Gesundheits- und Familienfürsorge für die Erb- und Rassenhygiene die Hausbesuche und das Gesundheitsamt allgemein noch lange diskreditiert haben. Ich habe mich seitdem auch immer international interessiert und informiert und großen Wert auf interprofessionelle Verständigung und Zusammenarbeit gelegt.”

 

 

Inwiefern hat Ihre Arbeit in der Gesundheits- und Familienfürsorge Ihr späteres Berufsleben beeinflusst? 

 

“Ich habe knapp drei Jahre im Landkreis Kassel in einem Gesundheitsamt als Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin in der Gesundheits- und Familienfürsorge gearbeitet und war unter anderem auch zuständig für die Tuberkulosefürsorge, Behindertenfürsorge, Alkohol- und Suchtfürsorge und „Geschlechtskrankenfürsorge“. 

In dieser Zeit habe ich viele Familien in ihren Wohnungen besucht und den Zusammenhang von niedrigem sozioökonomischem Status, schwierigen Lebensbedingungen und Krankheiten hautnah erlebt. Besonders beeindruckt hat mich die Beobachtung, dass ich schon bei kleinen Kindern den Umschlag der schwierigen Wohn- und Lebensbedingungen und damit einhergehenden Familienverhältnissen in ihrer körperlichen Verfassung wahrgenommen habe. Das hat mich sehr bedrückt und dazu geführt, dass mein Interesse an früher Intervention und Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen „für alle“ und Public Health noch stärker geworden ist.  

Außerdem habe ich in dieser Tätigkeit gelernt, wie gefährlich es für Säuglinge, Kleinkinder und deren Eltern werden kann, wenn die Stellen in Gesundheitsämtern reduziert werden. Wichtiger ist vielmehr, niederschwellige Angebote zu ermöglichen und Familien aufzusuchen.  

Die Notwendigkeit von Public Health, Gesundheitsförderung und Prävention und gesundheitlicher Chancengleichheit waren zentrale Themen in meinen weiteren beruflichen Tätigkeiten und auch später in der Lehre und Forschung an der Hochschule Esslingen.”

 

 

Was war für Sie persönlich ein Erfolgserlebnis in der Gesundheitsförderung? Worauf waren Sie besonders stolz, dass Sie das erreicht haben oder dass Sie dabei mitwirken konnten?   

 

“Zum einen meine Lehrgangsleitung der Internationalen Fortbildungslehrgänge zur Gesundheitsförderung für Schlüsselpersonen der Gesundheitsförderung (1986-1996). Hier bin ich dankbar, dass ich an der Verbreitung des (damals neuen) Konzeptes Gesundheitsförderung sowie der Bildung eines internationalen und interprofessionellen Netzwerks von Schlüsselpersonen (Multiplikator*innen) der Gesundheitsförderung mitwirken konnte. Die Teilnehmenden haben zahlreiche kooperative Projekte durchgeführt und treffen sich teilweise heute noch zum Austausch. 

Als erfreuliches Erfolgserlebnis bewerte ich auch meine Mitwirkung bei der Entwicklung der „Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention“ (Hg. BZgA).  Die Idee entstand 1993 in den Internationalen Fortbildungslehrgängen zur Gesundheitsförderung als Glossar von Begriffen, Konzepten und Strategien. Ich bin dankbar, dass ich von Beginn bis heute Mitglied der Redaktionsgruppe der Leitbegriffe bin. 

Froh und dankbar bin ich auch für meine „Hebammenfunktion“ bei der Entwicklung des Schwerpunktes „Gesundheitsförderung und soziale Benachteiligung“ in der BZgA. Hier habe ich 2001 einen Workshop konzipiert und moderiert, aus dem später der Schwerpunkt Gesundheitsförderung und soziale Benachteiligung geworden ist. Aus diesem hat sich der Kooperationsverbund gesundheitliche Chancengleichheit entwickelt. Die Arbeit des Kooperationsverbundes begleite ich als Mitglied des beratenden Arbeitskreises und konnte mitwirken an der Entwicklung von Good Practice-Kriterien für soziallagenorientierte Gesundheitsförderung und als Gutachterin zur Identifizierung von Beispielen guter Praxis. Hier bin ich weiter im Arbeitskreis Qualitätsentwicklung/Good Practice und im Arbeitskreis „Gesundheitsförderung mit Geflüchteten“ tätig. 

Auch in meiner Tätigkeit an der Hochschule Esslingen gab es viele interessante Entwicklungen und Projekte, z. B. das Forschungs- und Entwicklungsprojekt zur Interdisziplinären Kooperation von Medizin, Sozialer Arbeit und Pflege (MESOP), zur soziallagenorientierten Gesundheitsförderung in Kindertageseinrichtungen sowie die englischsprachige „International Summer School Health Promotion.“

 

 

Welche Entscheidung war die Beste in Ihrer beruflichen Laufbahn?  

 

“Die Beste? Dazu müsste ich noch länger überlegen…Eine gute Entscheidung war es, mich nach dem Studium der Sozialwissenschaften in Göttingen auf die Stelle der Lehrgangsleitung Internationale Fortbildungslehrgänge zur Gesundheitsförderung zu bewerben.  

In dieser Tätigkeit konnte ich meinen Gesundheits-/Pflegeberuf, meine Erfahrungen in der Gesundheits- und Familienfürsorge sowie meine Kenntnisse der Sozial- und Gesundheitspolitik aus dem Studium der Sozialwissenschaften gut verbinden. Zugleich konnte ich dazu beitragen, das Konzept Gesundheitsförderung (mit dem grundlegenden Ziel der Förderung der gesundheitlichen Chancengleichheit) zu verbreiten sowie meine Anliegen der interprofessionellen und internationalen Zusammenarbeit und Vernetzung umzusetzen. Diese Ziele und Anliegen konnte ich während meiner Professur an der Hochschule Esslingen weiterentwickeln.”

 

 

Was würden Sie heute Ihrem jüngeren Selbst empfehlen?  

 

“Es fällt mir schwer diese Frage zu beantworten. Mein jüngeres Selbst ist vielleicht hier nicht so relevant. Ich würde lieber anderen jüngeren Personen empfehlen an sich zu glauben, Ziele zu verfolgen trotz Widerständen und mit Umwegen.”

Chancengleichheit

„Gesundheit ist für alle da.“ Was bedeutet dieser Satz für Sie? 

 

“Er bringt mich zum mehrfachen Lesen und zur Frage: „Ist Gesundheit wirklich für alle da? Oder sollte sie es sein? Ich denke dann an „Gesundheit für alle“ als oberstes gesundheitspolitisches Ziel der WHO und der Regierungen seit Alma Ata (1977/78). Dieses Ziel ist noch immer aktuell und erfordert zur Umsetzung den Ansatz „Gesundheit in allen Politikbereichen“ (Health in All Policies, HiAP).”

 

 

Welche ist die größte Herausforderung, um in Deutschland gesundheitliche Chancengleichheit zu ermöglichen? 

 

“Eine gesundheitsfördernde Gesamtpolitik und Gesundheit in allen Politikbereichen in einem föderalen Gesundheitssystem gemeinsam mit multiplen Akteuren zu ermöglichen, stellt eine große Herausforderung dar. Zu nennen ist des Weiteren das Verdeutlichen von sozialen Determinanten der Gesundheit, „stromaufwärts“(upstream), also an den Ursachen der Ursachen (causes of the causes) anzusetzen, sowie das Entwickeln eines Gesamtplans. ”

 

 

Welche politischen oder praktischen Veränderungen wünschen Sie sich, um Gesundheit für alle zu ermöglichen?  

 

“Die Wahrnehmung von Gesundheit und Gesundheitsförderung sollen als wichtige Themen in den politischen Diskussionen, nicht nur in Fachkreisen stattfinden. Außerdem wünsche ich mir die Weiterentwicklung des Präventionsgesetzes hin zu einem Gesetz, welches Gesundheit in allen Politikbereichen eine größere Bedeutung zukommen lässt und Gesundheit(sförderung) als gesamtgesellschaftliche und gesamtstaatliche Aufgabe mehr Gewicht verleiht.”

 

Gesundheit wird durch viele Faktoren beeinflusst, die außerhalb des Gesundheitssektors liegen (Beruf, Einkommen, Lebensumfeld, soziale Kontakte). 
Mit welchen Möglichkeiten können wir als Gesundheitsförder*innen den vielseitigen Risikofaktoren erfolgreich entgegenwirken? 

 

“Die Bedeutung von Determinanten der Gesundheit sollte immer wieder erläutert und verbreitet werdenDie Gesundheit ist in allen Politikbereichen verankert und Gesundheit(sförderung) ist demnach als gesamtstaatliche und gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu betrachten. Gemeinsame Aktivitäten, Anwaltschaft, Partizipation und die Verknüpfung mit anderen Themen (Stadtentwicklung, Nachhaltigkeit, Umweltgerechtigkeit, Klimawandel etc.) sind dabei auch wichtig. Vielseitige Ressourcen und Risiken können auch über den Lebensweltansatz /Settingansatz verknüpft werden. Die Kommunen als Setting übernehmen dabei eine wichtige Rolle, denn sie stellen das „Dach“ für viele andere Settings dar. Außerdem ist es immer sinnvoll, Prävention und Gesundheitsförderung zu verknüpfen und sie als sich ergänzende Teile der gesundheitlichen Gesamtversorgung zverstehen. Im Sinne von Verhaltens- und Verhältnisprävention sind Verhältnisse die Grundlage für das Verhalten, demnach sollte die Verhältnisprävention vor die Verhaltensprävention gestellt werden.”

Vernetzung, Pflege und Qualität

Thomas Altgeld bezeichnete Sie als „eine der begnadetsten Vernetzerinnen“. Welchen Erfolg verspricht Vernetzung in der Gesundheitsförderung Ihrer Meinung nach? 

 

“Der Gesundheitsförderung liegt ein sozialökologisches Gesundheitsverständnis zugrunde. Die Förderung der Gesundheit erfordert deshalb das Zusammenwirken von vielen Sektoren, Akteuren und Berufen. Vernetzung ermöglicht ein besseres Selbstverstehen durch Austausch, neue Perspektiven, Bereicherung durch den Blick über den Tellerrand, größere Aktionsmöglichkeiten und Synergieeffekte. Vernetzung bedeutet menschliche Bereicherung und größere Arbeitszufriedenheit.” 

 

Gesundheitsförderung und Pflegebedürftigkeit sind Dinge, die in vielen Köpfen noch nicht zusammenpassen. Können Sie erklären, warum Gesundheitsförderung in der Pflege sinnvoll ist? 

 

“Gesundheitsförderung durch Pflegende hat den Vorzug der großen Alltags- und Lebensweltnähe. Kranke/pflegebedürftige Menschen sind besonders interessiert und ansprechbar, leichter motiviert bzw. zu motivierenSie sind auch oft vertraut mit der Übersetzung von medizinischer Fachsprache in leichte verständliche Sprache. Die Grundsätze des Empowerments, der Partizipation und der Anwaltschaft spielen auch im Selbstverständnis der Pflege eine immer größere Rolle. Pflege umfasst alle Bereiche einer gesundheitlichen Versorgungskette, inklusive Gesundheitsförderung und Prävention. Pflege kann in verschiedenen Settings von der Wohnung, über Wohngemeinschaften, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser gesundheitsfördernd wirken. Pflege kommt insofern auch eine wichtige Rolle in der niederschwelligen und aufsuchenden Gesundheitsförderung und Förderung der gesundheitlichen Chancengleichheit zu.”

 

Welchen Wert hat Ihrer Meinung nach Qualität in der Gesundheitsförderung? 

 

“Qualität ist eine ethisch begründete Notwendigkeit. Auch Gesundheitsförderung kann schaden, soll aber Nutzen mehren und Schaden minimieren. Im Bereich der gesundheitlichen Chancengleichheit ist ein typisches Problem, dass eine Aktivität „für alle“ nicht weiter differenziert, wie „alle“ wirklich erreicht werden können. Wenn dann z. B.  einfach Printmedien eingesetzt werden, wird diese mit höherer Wahrscheinlichkeit die Menschen mit besserer Bildung erreichen. In Bezug auf Bildung, Einkommen oder Beruf benachteiligte Menschen werden dadurch eher nicht erreicht. Dies könnte im Ergebnis sogar dazu führen, dass gesundheitliche Unterschiede nicht verringert, sondern vergrößert werdenQualität und ihre Entwicklung ist deshalb auch ein Kriterium guter Praxis der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung. ”

Deutschland im internationalen Vergleich

Wenn Sie Gesundheitsförderung in Deutschland im internationalen Kontext vergleichen, was könnte Deutschland von welchem Land lernen?  

 

“Es ist sehr sinnvoll, international zu vergleichen. Die Umsetzung von Anregungen fällt oft schwer, wenn es um Länder mit anderen Traditionen und einem anderen Gesundheits- und Sozialsystem geht. Außerdem ist auch Vorsicht geboten, da leider solche Tipps durch Änderungen in der Gesundheitsförderung schnell veralten. Was wohl in den Niederlanden beibehalten worden ist und ein gutes Beispiel darstellt, sind die flächendeckenden Einrichtungen zur Beratung von Schwangeren und Müttern von Kindern in den ersten Lebensjahren. Diese werden von fast allen freiwillig aufgesucht. In Spanien gibt es Gesundheitsförderung und Prävention in den Zentren der primären Gesundheitsversorgung (Primary Health-Care-Zentren), die weit verbreitet sind, z. B. über ganz Mallorca verteilt. Dort werden beispielsweise HealthyWalks/Gesunde Spaziergänge in Stadtvierteln angeboten, die älteren und chronisch kranken Menschen von ihrem PHC-Team verschrieben werden. Bezogen auf das Konzept der „Health in All Policies“ sind die österreichischen Rahmen-Gesundheitsziele von 2013 interessant. Sie wurden mit rund 40 Institutionen partizipativ entwickelt und sollen richtungweisend für die nächsten 20 Jahre sein. ” 

 

Welche Schritte gilt es in Deutschland zu folgen, um eine gesundheitsfördernde Gesamtpolitik zu erreichen? 

 

“Gesundheitsförderliche Gesamtpolitik muss als gesamtgesellschaftliche und politikfeldübergreifende Gestaltungsfrage wahrgenommen werden, die Finanzierung muss nachhaltig geregelt werden und es müssen übergreifende rechtliche Regelungen erlassen werden. Die Strukturen und Ressourcen für Gesundheitsförderung müssen auf der Ebene von Bund, Ländern und Kommunen ausgebaut und miteinander verbunden werden. Eine langfristige nationale Gesamtstrategie muss entwickelt und beschlossen werden. Außerdem müssen Programme abgestimmt und koordiniert werden.” 

Abschlussfragen

Beschreiben Sie Gesundheitsförderung in drei Worten! 

 

“Stärkung der Gesundheitsdeterminanten”  

 

 

Welche Vision streben Sie in der Zukunft für gesundheitliche Chancengleichheit in Deutschland an?

 

“Wichtig: „Stromaufwärts“, das heißt an den „Ursachen der Ursachen“ der gesundheitlichen Ungleichheit ansetzen, mit einer langfristigen nationalen Gesamtstrategie.”   

 

Zum Nachlesen

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes MESOP und der Modellseminare zur Förderung der fachübergreifenden Zusammenarbeit werden vorgestellt. Das Projekt erforscht, was diese Berufsgruppen benötigt, um im Interesse der Patienten zu kooperieren.

 

Der von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) initiierte bundesweite Kooperationsverbund „Gesundheitliche Chancengleichheit“ greift die Befunde zum Zusammenhang von sozialer Lage und Gesundheitszustand auf.  

 

Das Thema Gesundheit von Studierenden gewinnt an Aktualität, da diese vermehrt an diversen Beschwerden und Krankheiten leiden. Ziel der Erhebung war es, eine umfassende Datenbasis zur gesundheitlichen Lage der Studierenden zu generieren. 

 

Wir bedanken uns für das spannende Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg! 

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