Prof. Dr. Dr. Alf Trojan

Prof. Dr. Dr. Alf Trojan zählt für uns definitiv zu den „Faces of Health Promotion“. Als ehemaliger Direktor des Instituts für Medizin-Soziologie am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf beschäftigte er sich während seiner Arbeit immer mehr mit Gesundheitsförderung. Besonders sein erstes größeres Forschungsprojekt zum Thema Selbsthilfegruppen und die Stärkung von (persönlichen) Ressourcen, brachten Trojan immer mehr in das Arbeitsfeld der Gesundheitsförderung. Ein wichtiger Aspekt, um Gesundheitsförderung zu fördern bzw. tatsächlich umzusetzen, ist das Bestehen, Entwickeln und Verknüpfen von sozialen Netzwerken. So stellen Selbsthilfegruppen die Basis für das Capacity Building und erste kleinere gemeindebezogene Gruppen, die sowohl gesundheitliche als auch soziale Aspekte vorantreiben bzw. integrieren können.   

Als Kernproblem der Gesundheitsförderung sieht Trojan die Tatsache, dass auch heute noch so wenig möglich und vorhanden ist. Dabei ist die Kluft zwischen Planung und Tatsache noch sehr groß und man kann nicht flächendeckend von „Health in all Policies“ sprechen. Durch seine und generell kleinere Projekte kann man gesundheitsförderliche Aspekte jedoch stärken und ein größeres Bewusstsein für dieses Themengebiet schaffen.   

Neben seinen Arbeitsschwerpunkten ist Alf Trojan ein begeisterter Palmenobjektsammler. So umfasst seine Sammlung ca. 1500 Objekte, die er mittlerweile aber größtenteils an einen Fundus in Hamburg verschenkt hat. Angefangen hat alles mit einem Anstecker mit Palmenmotiv, der zu seinen Lieblingsobjekten zählt, auf einem Flohmarkt in London.

Blitzfragerunde

Kaffee oder Tee?
Eher Kaffee.
Planung oder Spontanität?
Auf der Arbeit: Planung. Im Leben: mehr Spontanität.
Chaos oder Ordnung?
Ordnung, aber ich komme viel zu selten dazu. 😉
Morgenmuffel oder Frühaufsteher?
Sicher kein Frühaufsteher! (lacht)
Geschwister oder Einzelkind?
Ältester von Vier.

Interview

Persönlicher Einstieg

Sie arbeiteten als Direktor des Instituts für Medizinsoziologie am Uniklinikum Hamburg Eppendorf. Wie sind Sie vom Arbeitsbereich psychosoziale Medizin und medizinische Soziologie zur Gesundheitsförderung gelangt?

 

Ich habe mich mit den Themen Drogen und psychiatrische Versorgung auseinandergesetzt und dann ein Projekt über Selbsthilfegruppen durchgeführt. Das war mein erstes größeres Forschungsprojekt. 

Selbsthilfegruppen werden als soziale Netzwerke  verstanden, aus denen soziale Unterstützung resultiert. Damit werden die persönlichen Ressourcen gestärkt.  Da war der Weg zur Gesundheitsförderung nicht mehr weit.  Ilona Kickbusch  ist  ebenfalls  über das Thema Selbsthilfegruppe zur  Gesundheitsförderung  gekommen.

 

 

Durch Ihre zahlreichen Forschungsprojekte und Veröffentlichungen haben Sie die Gesundheitsförderung sehr nahe miterlebt. Welche Meilensteine betrachten Sie als besonders bedeutsam?                            

 

Die  Konferenz von Alma Ata war ein erster Meilenstein  und führte dazu, dass  unter  der  Förderung der Gesundheit nicht nur  die  medizinische Versorgung verstanden wurde, sondern  dass  auch die  Basisversorgung  der Bevölkerung  (Wasser, Müllentsorgung und  ähnliches)  eine Rolle  spielt. Es  war das erste Mal, dass die Bevölkerung partizipieren konnte.

 

 In  meinem allerersten Buch, das ich zusammen  mit meinem Kollegen Heiko Waller über gemeindebezogene  Gesundheitssicherung  schrieb, war das  bereits  präsent.  Dort legitimieren wir unsere Vorschläge,  wie man auch in Deutschland  eine gute Basisversorgung  umsetzten könnte, u.a. mit den internationalen Erfahrungen und Forderungen in  der Alma Ata Deklaration.   

 

Die nächste Station war die Ottawa Charta: Gesundheitsförderung. Dazu brauche ich nicht  viel  zu sagen.  

 

Ich selbst bin dann in der zweiten Gesundheitsförderungskonferenz in Adelaide gewesen. Die hatte das Thema „Healthy  Public  Policy“  und  war für mich persönlich ein Meilenstein, weil ich der  Idee  von  gesundheitsförderlicher Gesamtpolitik stets weiter gefolgt bin, vor allem ihrer Konkretisierung auf der lokalen Ebene. Ich habe mich nicht auf die Verhaltensdimension  eingelassen, sondern auf die Verhältnisänderung fokussiert. 

 

 

Was ist  Ihr  besonderes Highlight in Bezug auf die Entwicklung und  Festigung  von Gesundheitsförderung?                                                                                                   

 

Auf Deutschland bezogen, ist  es  das Präventionsgesetz und dessen  langjährige Entwicklung.  Das hat die  Diskussion ganz stark beflügelt, auch wenn es sehr lange gedauert hat.  Obwohl  es erhebliche Umsetzungsdefizite gibt, die  damit zusammenhängen,  dass  gesundheitsfördernde Gesamtpolitik durch dieses Gesetz nicht gesteuert werden kann. “ 

 

 

Inwieweit ist Gesundheitsförderung heute tatsächlich verbreitet? Schleicht sich Gesundheitsförderung eventuell auch unbewusst in den Alltag

 

Es gibt das unbewusste Einschleichen von Gesundheitsförderung in den Alltag auf der Verhaltensebene. All die Themen, die mit Fitness und Wellness zu tun haben, haben ja auch durchaus gesundheitsfördernde Komponenten. Die Leute thematisieren das jedoch selten unter der Überschrift „Gesundheit“.  

 

Ich selbst habe in den letzten Jahren mit Rainer Fehr zu dem Thema  “StadtGesundheit”  gearbeitet. In diesem Zusammenhang haben wir die Erfahrung gemacht, dass Gesundheit fördern, im ursprünglichen Sinne des Wortes, ganz viele Aspekte der Stadt beinhalten kann.  

Man kann sagen: Gesundheitsförderung ist auch, wenn man sich für eine  autoarme  Innenstadt  und  mehr Fahrradwege einsetzt. Das ist gerade bei uns in Hamburg  ganz stark im Kommen. Insofern glaube ich, dass  Gesundheitsförderug  unter anderen Überschriften, wie „Verkehrsberuhigung“ etc. auch tatsächlich in den Alltag der Bevölkerung eingreift.  

Die explizite Gesundheitsförderung  in der integrierten Stadtentwicklung  zu institutionalisieren  ist eine  große  Herausforderung. Das  wurde  deutlich  sichtbar in einer  kürzlichen  Recherche  zur  Häufigkeit des  Querschnittsthemas  Gesundheit  in Dokumenten der Hamburger Stadtentwicklungspolitik.”

Arbeitsschwerpunkte

Sie sind Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Medizinsoziologie, der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention, des Deutschen Verbandes für Gesundheitswissenschaften und Public Health, der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung und der European Public HealthAssociation. Inwiefern lassen sich diese verschiedenen  Gesellschaften und Verbände  miteinander verknüpfen? Wo liegen Gemeinsamkeiten? 

 

“Die große Gemeinsamkeit ist das interdisziplinäre Thema „Gesundheitsförderung und Prävention“ als verbindendes Konzept.

Jede dieser Fachgesellschaften beschäftigt sich mit den sozialen Ursachen von Gesundheit und Krankheit – mit den Determinanten von Gesundheit.

Um auf dieser Basis soziale Ursachen und Determinanten der Gesundheit zu identifizieren und als Wissensbasis für professionelles und politisches Handeln einzubringen. So können dann auch die Wissenschaftler*innen Gesundheitspolitik mitgestalten und mitbeeinflussen. “

 

 

Ein besonderes Augenmerk legen Sie auf das Wirken von Selbsthilfegruppen. In diesem Zusammenhang haben Sie das Buch „Gemeinsam sind wir stärker – Selbsthilfegruppen und Gesundheit” in Kooperation mit Ilona Kickbusch verfasst. Wie stehen diese im Zusammenhang mit Gesundheit? Welche Potenziale ergeben sich dadurch?

 

“Soziale Unterstützung („Social Support“) mit Schwerpunkt auf der Stärkung von Ressourcen liegt, sowohl bei Gesundheitsförderung als auch bei den Selbsthilfegruppen im Fokus. 

Potenziale, die sich daraus ergeben: Ein Kernpotenzial ist, dass sich aus diesem gemeinsamen Kümmern um soziale Unterstützung und die eigene Gesundheit auch weitere Handlungsfelder wie Beteiligung und Partizipation der Bürger entstehen. Deshalb sind Selbsthilfegruppen mehr als gegenseitige Hilfe, sie beraten z.B. auch über die Krankheit. Das heißt, sie sind auch ein Akteur im Gesundheitswesen, ein sogenannter „Leistungsträger“.

Herausforderungen sind die Digitalisierung und der soziodemografische Wandel. In der Ärztekammer in Hamburg gibt es den „Ausschuss für die Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen“, in dem ich ebenfalls Mitglied bin. In diesem Ausschuss wird das nächste Selbsthilfeforum zum Thema „Digitalisierung und was das für das Arzt-Patient-Verhältnis bedeutet“ stattfinden. Eigentlich ist das ein Ausschuss für die Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen, aber er befasst sich ebenfalls mit anderen Potenzialen und Herausforderungen der Arzt-Patient-Beziehungen.”

 

 

Ebenso knüpft das Forschungsprojekt „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus” daran an. Was waren Ihre Grundgedanken bzw. Visionen zu diesem Forschungsprojekt? 

 

“Ich habe hier die Chance gesehen, die Zusammenarbeit zwischen Selbsthilfe und dem professionellen System nachhaltig zu institutionalisieren. 

Der Grundgedanke dabei war die strukturelle Absicherung der Kooperation und das utopische Ziel, eine Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Patient*innen und professionellen Helfer*innen zu etablieren. Die Vision dieses Projektes ist, dass das daraus entstandene „Netzwerk Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen“ weiterwächst.

Das sind momentan ungefähr 300 Mitglieder, sowohl Selbsthilfekontaktstellen, Krankenhäuser, Rehakliniken und viele Selbsthilfeorganisationen, die sich in diesen Krankenhäusern als Kontrolleur*innen und Beurteiler*innen für Selbsthilfefreundlichkeit daran beteiligen.”

 

 

Laut der Ottawa Charta ist es besonders wichtig, Gesundheitsförderung in die Strukturen der Gesellschaft und in die Politik zu integrieren. Dafür haben Sie bereits wichtige Grundlagen gelegt. Welches Ihrer Projekte war für Sie am bedeutsamsten? Wie sind Sie vorgegangen? 

 

“Das erste Projekt zu Selbsthilfegruppen, von 1979 bis 1984, war für mich für die dauerhafte und nachhaltige Integration in Strukturen deswegen so bedeutsam, weil wir dort das Konzept einer Selbsthilfegruppekontaktstelle erprobt haben.

Das Vorgehen hat sich im Laufe des 1. Projektjahres ergeben. Wir mussten eine Rolle übernehmen, wir sammelten alle bekannten Selbsthilfegruppen in einer Liste, um sie zu befragen. Diese Liste hat uns sehr schnell zur bestinformierten Stelle über Selbsthilfegruppen gemacht. Außerdem sollte unser Projekt, etikettiert als „Anwendungsorientierte Grundlagenforschung“, auch praktisch wirksam sein und so sind wir schon nach einem Jahr Kontaktstelle geworden. 

Diese Kontaktstelle ist nach Projektende mit Hilfe von öffentlichen Mitteln der Gesundheitsbehörde Hamburg institutionalisiert worden. Im letzten Jahr haben wir 40-jähriges Jubiläum gefeiert. Das ist mein größter Erfolg, Dinge auch strukturell zu bewegen und zu etablieren.

 

Das zweite Projekt ist eines, in dem es auch um die dauerhafte Etablierung von Strukturen ging, in diesem Fall in der kommunalen bzw. quartiersbezogenen Gesundheitsförderung.  Wir versuchten immer Elemente wie Runde Tische, GF-Konferenzen und ähnliches zu etablieren.  

Man könnte sagen, dass meine letzten 10 Jahre Arbeitszeit bei der BZgA für das Glossar „Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention”, also ein Informations- und Aufklärungsprojekt, auch dazu diente, Gesundheitsförderung im Professionellen, im Politischen und in der Zivilgesellschaft dauerhaft zu etablieren.”

 

 

Neben den Selbsthilfegruppen beschäftigen Sie sich auch mit sozialen Netzwerken und „Capacity Building”. Inwiefern, denken Sie, ist eine Verknüpfung dieser Themengebiete möglich? 

 

“Nach dem Selbsthilfe-Projekt haben wir das Projekt „Gemeindebezogene Netzwerksförderung“ durchgeführt und die Idee dahinter war, dass nicht nur explizit gesundheitsbezogene Selbsthilfegruppen, etwas für die Gesundheit tun, sondern dass alle kleinen und informellen Gruppen der Zivilgesellschaft durch die verschiedenen Aspekte sozialer Unterstützung auf die Gesundheit der Bevölkerung wirken.

Solche Community Organisationen sind die strukturelle Basis für Community Capacities. Wenn man Capacity Building durchsetzen will, muss man also kleine Gruppen und soziale Netzwerke auf lokaler Ebene fördern. Von der Gründung und Entstehung her sind sie Instrumente der Zivilgesellschaft, um die eigene Lebensumwelt zu verändern.

Der Aufbau solcher Vereine ist eine der Grundlagen für Capacity Building und quartiersbezogene Gesundheitsförderung. Man braucht aber auch viele professionelle Akteure im Sinne von lokalen healthy public policies.”

 

 

Welche Rolle spielen Empowerment und Partizipation bei der patientenorientierten Gestaltung des Gesundheitswesens? 

 

“Der Ausdruck Empowerment ist so attraktiv, weil er POWER enthält.

Es gibt Leute, die haben von ihrer Natur, ihrer Bildung, ihrer Erziehung mehr Power als andere. Für diejenigen, die das nicht haben, sind Befähigungs(lern)angebote sehr wichtig, um Empowerment zu fördern. Ich betrachte Empowerment als Voraussetzung dafür, dass man partizipieren und an Entscheidungen teilnehmen kann. 

Wir haben schon früh mit dem Modell einer Partizipationsleiter gearbeitet, die gibt es jetzt in verschiedenen neuen Varianten. Das Stufenmodell ist beliebt und attraktiv, weil sehr vieles Partizipation genannt wird und es manchmal sogar versteckte Manipulation ist, die als Partizipation angeboten wird. 

Einerseits habe ich seit Jahren vertreten: mehr Empowerment, mehr Partizipation! 

Andererseits muss ich inzwischen, aus Lernerfahrung, sagen, dass es keinen Zwang zur Partizipation geben darf. Zur Patientenorientierung gehört auch das Recht auf Nicht-wissen-wollen und Nicht-partizipieren-wollen. Man muss das so ausdrücklich sagen, weil es tatsächlich Ansätze im Wissenschaftsbereich und Versorgungsbereich gibt, die Partizipation verordnen wollen. Ich gehe jetzt nicht ins Detail, aber empfehle das Buch von Bettina Schmidt „Akzeptanzorientierte Gesundheitsförderung“, was auch vor Zwangsbeglückung warnt.

In Forschungs- und Interventionsprojekten gibt es Situationen oder Personengruppen, wo der unbedingte Wunsch nach Partizipation eine Überforderung darstellt und dann auch von dem eigentlichen Ziel ablenkt.” 

 

 

Wo finden sich im deutschen Gesundheitssystem partizipative bzw. patientenorientierte Aspekte wieder? 

 

“Bei der Beteiligung von Patient*innen in den Gremien des gemeinsamen Bundesausschusses (GBA). Dort sind allerdings auch bis zu 50% der Patientenvertreter*innen solche, die professionell in der Selbsthilfe-Unterstützung arbeiten, aber das sind eben Repräsentant*innen der Zivilgesellschaft (der Bürger*innen, der Patienten*innen). Mitspracherecht bedeutet nicht Mitentscheidungsrecht, aber die Kontrollfunktion, die sie allein dadurch haben, dass sie dort präsent sind, das ist erheblich und sucht seinesgleichen in anderen Ländern Europas.

Genauso wie die Selbsthilfe-Unterstützung, die auch ein Aspekt von starker Patientenorientierung und Unterstützung von Partizipation durch gesetzliche Vorgaben ist, denn die Krankenkassen müssen einen erheblichen Anteil zur Unterstützung der Selbsthilfe leisten. 

Ein zweiter Aspekt ist die Qualitätssicherung /-entwicklung. Patient*innen haben dort eine Stimme. Es gibt als Erfolgskriterien die sogenannten Patient-Related-Outcomes also Patientenzufriedenheit als Qualitätsmerkmal. Weiterhin gibt es Patient*innen-Befragungen, Mitarbeit bei der Entwicklung der Nationalen Versorgungsleitlinien usw.  Qualität wird nicht nur daran gemessen, was Professionelle als Qualität betrachten, sondern auch daran, was von den Adressat*innen ihres Handelns als Erfolg und gut und richtig angesehen wird.”

Aktuelles

Im Hinblick auf die aktuelle Corona Situation: Wie schätzen Sie die Auswirkungen der Kontaktbeschränkungen in Bezug auf die sozialen Netzwerke ein? 

 

“Kurzfristig: negativ. Vieles ist dadurch schwerer geworden. Mittel- oder langfristig wird in dieser Krise viel dazu gelernt, vor allem die Erweiterung der Instrumente für Kontakte und Kommunikation, besonders über das Internet und die digitalen Medien. Aus der Not heraus machen viele Menschen Dinge, die rückblickend als Kompetenzgewinn bezeichnet werden können.”

 

 

Welche Veränderungen der psychischen Gesundheit sind diesbezüglich sowohl bei Personen mit Vorerkrankungen als auch ohne bereits bestehende Vorerkrankungen denkbar? 

 

“Für die psychische Gesundheit stellt die Isolation und die Aggregation von Menschen auf engem Raum eine psychische Belastung dar. Davon sind einige benachteiligte Gruppen (z.B. Alleinerziehende oder bildungsferne Menschen) immer stärker und schlimmer betroffen. Die Auswirkungen der Kontaktbeschränkungen, die in Bezug auf die sozialen Netzwerke gelten, sehe ich für diese schon benachteiligten Gruppen als besonders fatal an.”

 

 

Wo sehen Sie auch heute noch Probleme/Herausforderungen der Gesundheitsförderung? Was muss geschehen, dass diese flächendeckend und von der Allgemeinheit verankert und akzeptiert wird?

 

 

“Das Kernproblem ist, dass noch immer so wenig möglich ist. Health-in All-Policies, Mainstreaming Health, Gesundheitsverträglichkeitsprüfung, die gesundheitsförderliche Gesamtpolitik – Dinge, die darauf abzielen Gesundheit in den verschiedenen Politikbereichen zu fördern, führen noch immer ein Nischen-Dasein. 

Die Kluft zwischen dem, was richtungsweisend überall vertreten wird (von der WHO bis zu den ÖGD-Gesetzen der Länder) und dem, was wirklich passiert, ist viel zu groß. Mit unserem Thema StadtGesundheit versuchen wir, das Bewusstsein zu stärken, aufzuklären und politisches Handeln anzustoßen, – momentan im Rahmen der sogenannten „Patriotische Gesellschaft Hamburg“ (die älteste zivilgesellschaftliche Bürger-Einrichtung im Deutschen Raum). Das ist ein soziales Netzwerk der Zivilgesellschaft. In diesem Zusammenhang versuchen wir StadtGesundheit weiter zu stärken, d.h. diesem Problem der mangelnden Berücksichtigung von Gesundheitsförderung in der Stadtentwicklung, etwas entgegen zu setzen.”

 

 

Was muss bei der Umsetzung von wissenschaftlichen und praktischen Kenntnissen in die Praxis der Gesundheitsförderung und Prävention unbedingt beachtet werden? 

 

“Die Konzept-, die Struktur-, die Prozess- und die Ergebnisqualität von Interventionen und die komplexen Wissensbestände hinter diesen Ausdrücken. Die Qualitätssicherung von Forschung und Praxishandeln ist der Versuch, die Faktoren zu erkennen und zu lenken, die für die Umsetzung von wissenschaftlichen und praktischen Kenntnissen wichtig sind.”

 

 

Auch wir haben von Ihrer Vorliebe rund um das Thema Palmen erfahren. Wie kam es dazu? Wieviele Objekte besitzen Sie und welches ist ihr Lieblingsobjekt? 

 

“Als ich 1976 in London auf einem Flohmarkt eine besonders schöne Palme zum Anstecken fand und kaufte, begann meine Vorliebe für Palmen. 

Die ganze Geschichte ist in dem Buch über meine Palmensammlung, das eine Fotografin gemacht hat, enthalten. Da steht auch, dass ich ungefähr 1500 Objekte besessen habe. Ich habe die Sammlung dann verschenkt, an eine (auch zivilgesellschaftliche) Organisation, die sich „Hanseatische Materialverwaltung“ nennt und ein Fundus für Laienspielgruppen und Schülergruppen ist, die Theater oder Film machen. Dort sind die meisten gelandet, außer denen, die einen Nutzwert haben und die ich immer noch zuhause habe.

Von diesen Lieblingsobjekten nutze ich am meisten die handgemalten Anstecker, die man sich ans Jackenrevers heften kann. Und so lebt die Palme in meinem Leben weiter.”

Persönliches

Mein Vorbild: Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner, Sozial-Psychiater, Initiator der Medizin-Soziologie in Hamburg.

Gesundheitsförderung in meinem Alltag: Ein bisschen Sport, möglichst jeden Tag etwas (Joggen, Tischtennis); beim Einkaufen und Essen hingucken und keinen schlechten Wein trinken.

Mein Lieblingssong: Live is Life (1985) 

Zum Nachlesen

Selbsthilfefreundlichkeit dient der Patientenorientierung und bezeichnet die Zusammenarbeit von Einrichtungen der Gesundheitsversorgung mit Selbsthilfezusammenschlüssen, welche an Qualitätskriterien orientiert ist. 

 

Der Beitrag reflektiert die Umsetzung des Präventionsgesetzes in Deutschland mit Blick auf das kommunale SettingWo liegen die Chancen und Grenzen der Gesundheitsförderung und Prävention in Städten und Gemeinden?

 

Nachhaltige StadtGesundheit ist ein neuer Erkenntnis- und Handlungsansatz, der an Urban Health und an Sustainable Development im Sinne der UN-Nachhaltigkeitsziele anknüpftGrundlage ist der, auch in der Ottawa-Charta zugrunde liegender, humanökologische Blick auf Gesundheit. 

 

Wir bedanken uns für das spannende Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg! 

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